Lebendfutter ist nicht nur leckere Abwechslung für unsere Lieblinge, sondern stellt ein besonders artgerechtes, natürliches und gesundes Futter dar. Allerdings steigt mit der Häufigkeit der Lebendfuttergabe auch das Risiko, sich Krankheiten einzuschleppen. Und natürlich ist es auch recht kostenintensiv, dauernd die kleinen Tütchen mit Viechkram kaufen zu müssen. Wenn man dann auch noch Fische hat, die ausschließlich lebendes Futter annehmen, wird man bald überlegen, ob man nicht doch lieber das Aquarium abgeben und Schach spielen sollte.
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Wasserflöhe - gesund und nahrhaft
Aber es geht auch anders!
Selbst ist der Aquarianer und so habe auch ich irgendwann versucht, mein Lebendfutter selber zu ziehen. Anfangs mit mäßigen Erfolgen. Besonders gut geht es naturgemäß im Sommer, wenn man einfach eine Plastikwanne oder ein paar Eimer auf dem Balkon aufstellen kann und warten, bis die Biester sich vermehren. Einige besonders Glückliche (zum Beispiel ich
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Der gemeine Nordeuropäer ist aber mit einem schrecklichen Fluch geschlagen: Dem Winter. Zugefrorene Teiche und eiskaltes Wasser minimieren die Ausbeute aus dem Teich drastisch. Hier hilft dann nur noch die Zucht im Zimmer.
Stinkt das nicht?
Nee, tut es nicht. Zumindest, wenn man den Zuchtbehältern ein Mindestmaß an Pflege angedeihen lässt. Ohne das wird der Ertrag ohnehin recht spärlich ausfallen. Ich habe auf meiner Fensterbank drei durchsichtige 5l-Plastikbehälter aus dem Baumarkt stehen. Nix müffelt und durch die Deckel habe ich auch die Verdunstung und damit die Luftfeuchtigkeit im Zimmer im Griff. Außerdem kann ich so die drei Behälter auch platzsparend stapeln. Sauerstoffmangel ist aber trotzdem kein Problem, weil die Deckel erstens nicht so dicht schließen und zweitens die Flöhe nicht besonders sauerstoffhungrig sind.
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Also, was muss man tun, um auch im Winter frische Flöhe ernten zu können?
Zunächst muss man eine kontinuierliche Futterversorgung der Krebschen sicherstellen. Wasserflöhe fressen Schwebealgen und andere Mikroorganismen, die sie aus dem Wasser filtrieren. Ich habe das Glück, einen gut eingefahrenen Teich im Garten zu haben, der auch jetzt noch, trotz Eisdecke, grünes bzw. trübes Wasser hat. Ich muss zwar das Eis zerschlagen und hoffen, dass es nicht so kalt wird, dass der Teich durchfriert, aber kann mehrmals die Woche einen Kanister Dreckbrühe mit nach Hause nehmen. Zum Glück hab ich es ja nicht weit und einen Kinderwagen als Transportmittel
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Das dreckige Wasser gieße ich durch ein feines Sieb, um enthaltene, evtl. räuberische Tiere und groben Dreck auszufiltern. Darüber freuen sich meine Grundeln und Lebendgebärenden.
Wer keine Algenwasserquelle in Reichweite hat, kann auch Flüssigfutter aus dem Fachhandel (Achtung: Teuer!) oder herkömmliche Backhefe (trocken oder frisch) nehmen. Es soll auch schon gelungen sein, Schwebealgen speziell zu züchten und im Internet gibt es entsprechende Kulturen zu kaufen. Mir ist das nicht gelungen.
Nun kann das Zuchtbecken vorbereitet werden.
Dazu nehme ich das trübe Wasser und fülle den Behälter damit. Man kann auch altes Aquarienwasser nehmen, dann muss es aber eine Weile stehen, damit sich die Futterpartikel (Schwebealgen und Mikroorganismen) erst richtig entwickeln können.
Pures Leitungswasser ist nicht geeignet! Es ist zu steril und braucht extrem lange, um zu veralgen. Daher ist auch nicht ratsam, Wasserwechsel mit Leitungswasser durchzuführen.
Als erstes gebe ich einige Blasenschnecken (andere kleine Schnecken eignen sich auch) hinein. Die haben die Aufgabe, die leeren Flohhäute zu fressen und die Mikroorganismen mit ihrem Kot zu füttern. Bei Verwendung von trübem Teichwasser können die Flöhe direkt mit rein. Ansonsten sollte entweder mit handelsüblichem Flüssigfutter (z.B. Liquifry) gefüttert oder gewartet werden, bis das Wasser mindestens gelb wird. Zuchtansätze bekommt man entweder im Zooladen als Lebendfuttertütchen, von befreundeten Aquarianern oder man sorgt rechtzeitig im Herbst vor und holt aus dem Futtertümpel seines Vertrauens eine Portion Zuchtflöhe.
Nur das Stehenlassen am Fenster reicht nicht, um eine zuverlässige Ernährung der Flöhe sicherzustellen!
Es mag wohl bei schönem, sonnigem Wetter genug Algen geben, damit die vorhandenen Tiere überleben, aber vermehren werden sie sich nicht. Im Winter ist ja eher mal mit weniger Sonne zu rechnen, die das Algenwachstum fördern könnte. Ich wechsle das Wasser, sobald es klar ist und ersetze es wieder durch trübes Teichwasser. Dazu benutze ich einen Luftschlauch und das vom Aquarium her bekannte Prinzip der Mulmglocke: Ansaugen und laufen lassen.
Auch wenn man keine Flöhe ernten will, ist es unbedingt erforderlich, das Altwasser durch ein feines Sieb laufen zu lassen, will man keine Flöhchen verlieren. Versehentlich angesaugte Tierchen spült man einfach wieder zurück.
Hier mein ertragreichstes Becken vor
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und nach dem Wasserwechsel.
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Und das hab ich dabei geerntet:
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In diesem Becken habe ich ein paar halbvergammelte Reste von Cabomba und anderen Pflanzen aus dem Aquarium. Komischerweise lief das andere Becken mit exakt demselben Standort und exakt derselben Ausstattung und Pflege überhaupt nicht. Egal wie oft und wie viele Flöhe ich hineinsetzte, sie verschwanden. Deshalb mein dringender Rat:
Immer mehrere Becken parallel laufen lassen!!! So lässt sich ein Komplettverlust vermeiden. Zumindest, wenn man sie
nicht gleich behandelt!
Ich habe das Flop-Becken nochmal leer gemacht, ausgeschrubbt und neu angesetzt. Jetzt hat es keine Pflanzen drin, sondern nur Teichwasser und natürlich Schnecken und eine Handvoll Flöhe.
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Gefüttert werden die Flöhe immer erst, wenn das Wasser wieder klar ist.
Vor allem bei Verwendung von Hefe, wie es oft zu lesen ist, kann es verheerend sein, zu viel zu füttern. Das Wasser kann umkippen und die Flöhe sterben. Die Hefefütterung habe ich noch nicht ausprobiert, werde das aber bei dem dritten Behälter machen. Die Erfahrung, die ich mache, wird hier natürlich erscheinen.
Erfahrungsbericht Hefefütterung:
Geht ganz gut, nur verlieren die Flöhe ihre rote Farbe. Ich habe auch mit Karottensaft ganz gute Erfahrungen gemacht, zumindest vertragen sie ihn und werden wieder ein bisschen röter. Dummerweise ist die Hefefütterung eine sehr sensible Geschichte. Ich habe über die Feiertage den Fehler gemacht, "auf Vorrat" zu füttern, weil ich viel bei meinen Eltern war. Als ich wiederkam stank meine Wohnung ganz eklig und beim Deckelhochheben bin ich besoffen geworden

Es roch richtig intensiv nach Alkohol, in den Behältern stand eine schwarze Brühe und es lebte nichts mehr (jedenfalls nichts, was ich da drin hätte haben wollen!) Die Ansätze waren gekippt, weil die Hefe nicht so schnell gefressen werden konnte und angefangen hat zu gären. Ich musste die Behälter auswaschen und werde wohl neue Flöhe kaufen müssen. Bei Hefefütterung ist also SEHR vorsichtig zu dosieren. Das Wasser soll nur ein bisschen trüb sein und muss innerhalb von 12, spätestens 24 Stunden wieder ganz klar sein. Eine kurze Hungerphase schadet den Flöhen weniger als zu viel Hefe.
Die vielzitierte Schwarmbildung habe ich bei meinen Flöhen bisher noch nicht beobachtet, aber sie vermehren sich trotzdem.
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Die Pflege der Zuchtansätze ist minimal.
Regelmäßiger Wasserwechsel mit trübem Wasser genügt. Damit führt man neue Nährstoffe zu und entfernt eventuelle Gifte. Füttert man mit Hefe oder Flüssigfutter, sollte etwa einmal in der Woche (bei Hefe evtl. öfter, beobachten!) ein Drittel bis die Hälfte des Wassers gewechselt werden. Wie schon erwähnt darf dabei kein Leitungswasser genommen werden. Aquarienwasser ist besser geeignet und man spart auch noch Wasserkosten.
Beläge, die zwangsläufig an den Behälterwänden wachsen, sind nicht gefährlich, so lange es sich um einen Algenteppich handelt und noch Licht in den Behälter fallen kann. Allerdings kann es schwierig werden, die Klarheit des Wassers zu beurteilen. Hier hilft es, einen Teil der Wände grob zu reinigen.
edit 10.02.2008:
Bei Hefefütterung ist es unerlässlich, mind. alle zwei Wochen den Behälter zu leeren, auszuwaschen und mit "frischem" AQ-Wasser neu zu befüllen. Trockenhefe sollte in einem separaten Gefäß aufgelöst und durch ein feines Sieb in den Zuchtbehälter gegeben werden. So reduziert man den entstehenden Schlamm. Die Bröckchen, die von der Hefe übrig bleiben, können von den Flöhen nicht gefressen werden und können das Wasser zum "Umkippen" bringen, da die Schnecken sie auch verschmähen!
Haben sich auf den Behälterwänden Algenteppiche gebildet, können diese Algen zur Fütterung aufbereitet werden: Mit einem sauberen Schwamm in wenig Wasser abrubbeln und das grüne Wasser durch ein feines Sieb gießen. Die groben Rückstände erfreuen meine Lebendgebärenden, das grüne Wasser enthält kleinste Schwebealgen, die den Flöhen bestens bekommen.
Tägliches Umrühren und Kontrolle der Wasserklarheit ist unabdingbar für das Gedeihen der Flohzucht!
Bildquelle: ich